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Image by Pawel Czerwinski

Emotionale Vernachlässigung in der Kindheit

Traumata durch emotionale Vernachlässigung sind unsichtbar, unfassbar und entziehen sich oft den Worten – eine sprachlose Realität. Dennoch spürt man die Auswirkungen, während dysfunktionale Muster im Leben wiederkehren und an einem leeren Energietank zerren.

Woran erkenne ich, ob ich selbst davon betroffen bin?

*Hinweis: Die aufgeführten Anzeichen basieren auf meiner persönlichen Erfahrung und wurden nicht wissenschaftlich validiert. Sie spiegeln auch Beobachtungen von Jonice Webb, PhD. wider, einer Expertin für emotionale Vernachlässigung, basierend auf ihrer klinischen Praxis.

Emotionale Vernachlässigung 

Im Überlebenskampf mit Traumata spielt die oft verschwiegene Thematik der emotionalen Vernachlässigung eine zentrale Rolle. Niemand spricht gerne über diese schweren Erfahrungen, die häufig totgeschwiegen werden, als dürften sie nicht existieren. Hier breche ich das Schweigen und gebe den Betroffenen Raum, ihre verlorengegangene Stimme emporzuheben.

Viele Betroffene sehen sich mit einem Leid konfrontiert, dessen Ursachen in ihrer Kindheit liegen und doch oft im Verborgenen bleiben. Dieser Kampf bedeutet, dass im Erwachsenenalter all das, was in der Kindheit versäumt wurde, selbst erarbeitet werden muss.

Emotionale Vernachlässigung unterscheidet sich von der körperlichen Vernachlässigung, da sie meist unbewusst und nicht absichtlich geschieht und auch nicht unbedingt in konkreten Erinnerungen verankert ist. Viele Betroffene schätzen ihre Kindheit als glücklich ein, ohne sich der Ursache ihrer Leiden bewusst zu sein. Die Loyalität gegenüber den Eltern ist oft so stark, dass der Zusammenhang zwischen der vermeintlich glücklichen Kindheit und den Herausforderungen in der Grundschule, in der Jugend und dem Erwachsenenleben nicht erkannt wird.

Der Weg der Heilung nach emotionaler Vernachlässigung ist kein leichter. Es erfordert einen beharrlichen Prozess der Selbstreflexion, des Lernens und des Wachsens. Betroffene müssen lernen, ihre verleugneten Bedürfnisse zu erkennen und zu stillen. Ebenso gilt es, die eigenen Fähigkeiten und Grenzen realistisch einzuschätzen, um eine tiefere Verbindung zu sich selbst aufzubauen. Dieser Weg verlangt Zeit, Geduld und vor allem Selbstmitgefühl. Es ist ein Weg, der oft im Schweigen verweilt, aber auch Raum für die Worte der Überlebenden schafft.

Diese Worte erreichen dich mit dem Gewicht der Verständnisvollen. Doch sei gewiss, dass ich nicht den Versuch unternehme, deine Leiden sofort zu vertreiben. Die Realität ist, dass die Leiden nicht über Nacht oder nach einigen Wochen verschwinden, und das sage ich dir ohne Beschönigung. In einer Gesellschaft, die von Leistungsdenken geprägt ist, agieren Institutionen wie das Sozialamt, die Invalidenversicherung und Integrationsämter für Arbeitsuchende nicht mit dem primären Ziel deiner Genesung. Ihr Fokus liegt eher darauf, dass du möglichst rasch wieder in das Funktionieren zurückkehrst. Doch diese Vorgehensweise reduziert nicht die Intensität deiner Leiden, sondern kann sogar deine letzte Lebensenergie zum Erliegen bringen.

Mit der Zeit werden die Leiden an Intensität verlieren, wenn innere Ruhe und Gelassenheit Einzug halten. Ein geschärftes Bewusstsein, gepaart mit Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl, wird diesen schmerzhaften Begleitern langsam ihre Macht entziehen.

Aus eigener Erfahrung als Betroffene von emotionaler Vernachlässigung und Vaterentbehrung kann ich mit Gewissheit sagen: Wenn alles um uns herum zusammenbricht, keine unterstützende Beziehung unseren Selbstwert stärkt, kein Job Struktur bietet und finanzielle Sorgen unseren Alltag bestimmen, bleibt uns vielleicht nur die Annahme, dass unsere gegenwärtige Lebensaufgabe darin besteht, auf allen Ebenen zu genesen! Genau dies wünsche ich dir von Herzen!

GedankenReise

"Die Eindrücke der Kindheit wurzeln am tiefsten."

Karl Emil Franzos | Die Juden von Barnow

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