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  • AutorenbildSchafer Beatrice

Was Berufs- und Laufbahnberater auf keinen Fall bei traumatisierten Personen fragen sollten.


Eigentlich sollte es keine dummen oder unangemessenen Fragen geben, aber leider gibt es sie. In manchen Fällen können solche Fragen sogar noch schlimmere Auswirkungen haben. Daher ist Fragestellen nicht einfach ein einfaches Unterfangen, sondern eine Kunst, die Sensibilität, Einfühlungsvermögen und Achtsamkeit erfordert. Es geht darum, nicht nur oberflächlich zu fragen, sondern tiefer zu gehen und die Bedürfnisse und Grenzen des Gegenübers zu respektieren. Fragen sollten nicht nur Informationen sammeln, sondern auch dazu dienen, eine vertrauensvolle und unterstützende Beziehung aufzubauen. Es ist wichtig, dass Berufs- und Laufbahnberater sich dieser Verantwortung bewusst sind und ihr Handeln entsprechend anpassen, um den Menschen, die ihre Hilfe suchen, auf respektvolle und effektive Weise zu unterstützen.

 

Traumatisierte Menschen suchen sich meist auch in beruflicher Hinsicht Unterstützung nicht, um Traumata zu bewältigen, denn oft sind sie sich ihrer traumatischen Erfahrungen nicht einmal bewusst. Stattdessen suchen sie Hilfe, um aus ihrer Problemsituation herauszukommen, in der sie feststecken. Daher sollten Fragen nicht sofort auf die Interessen und Talente abzielen, da oft bereits eine verzerrte Selbstwahrnehmung vorliegt, die durch diese Frage nicht behoben werden kann. Ebenso ist es schwierig, die Selbstreflexion anzukurbeln, da negative Erlebnisse die Selbstreflexion oft behindern.

 

Eine Frage, die besonders problematisch sein kann, ist: "Was wollen Sie?" Diese scheinbar einfache Frage kann für jemanden, der traumatische Erfahrungen gemacht hat, sehr herausfordernd sein. Traumata können dazu führen, dass Menschen Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu erkennen oder auszudrücken. Sie könnten sich überfordert fühlen oder nicht sicher sein, was sie wirklich wollen. Die Scham ist oft zu groß, um dies vor einem Berater in dieser Funktion preiszugeben. Stattdessen geraten sie auch in diesem Unterstützungssystem leicht in die Rolle des Unterwerfenden, da sie sich möglicherweise nicht trauen, ihre Bedürfnisse deutlich zu äußern und sich stattdessen den Erwartungen des Beraters unterordnen. Dies kann dazu führen, dass sie sich erneut machtlos und unsicher fühlen, was ihre persönlichen Entscheidungen betrifft. Am Ende bleiben sie enttäuscht zurück, weil niemand ihnen helfen konnte. Wie auch? Einerseits haben viele Fachpersonen keine angemessene Ausbildung in traumasensitiver Begleitung und sind selbst unsicher, ob sie die Grenzen überschreiten dürfen oder sollen. Andererseits ist die ratsuchende Person oft so eng mit ihrer Scheindidentität verwoben, dass Hilfe von außen unmöglich scheint. So oder so wird die Reise für den Betroffenen länger dauern.

 

Es gibt eine Frage, die Einiges ins Rollen bringen kann. Ihre Wirkung mag zunächst unscheinbar erscheinen. Es könnte sogar zu einer vollständigen emotionalen Distanzierung führen, als hätte man nichts zu sagen. Doch um diese Frage zu beantworten, bedarf es an Raum, innerer Sicherheit und Vertrauen in sich selbst. Eine Frage, die auf die tief vergrabenen Emotionen abzielt, die man vielleicht Jahre oder sogar Jahrzehnte lang verdrängt hat, benötigt Zeit, um ins Innerste vorzudringen.

 

Diese Frage spricht nicht den Verstand an, denn dieser kann eher hinderlich sein. Sie richtet sich vielmehr an dein Herz:

 

Wer oder was hat dich innerlich so tief verletzt, dass dein inneres Kind gezwungen war, diesen beschwerlichen Weg auf sich zu nehmen und ihn solange durchzuhalten, ohne zusammenzubrechen?

 

Versuche, die Antworten auf diese Frage nicht allein durch deinen Verstand zu erkunden, sondern beziehe deinen Körper, deine Anspannung, deine Gedanken und deine Emotionen mit ein. Ich wünsche dir auf deiner eigenen Heilreise viel Kraft und Mut. Mögest du dich den Fragen stellen, die du bisher nie zu stellen gewagt hast, und mögest du innerlich über dich selbst hinauswachsen. Denn Fragen sind nicht nur Werkzeuge der Erkenntnis, sondern auch Wegweiser auf dem Pfad der Selbstheilung. Sie bringen uns dazu, uns mit unseren tiefsten Ängsten, Sehnsüchten und Hoffnungen auseinanderzusetzen und uns dabei zu entfalten. Möge jede Frage, die du stellst, ein Schritt auf dem Weg zu deiner inneren Heilung sein.


Herzlichst Béatrice, die moderne Einsiedlerin


 

 

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