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  • AutorenbildSchafer Beatrice

Die bittere Wahrheit über Krisen, Traumaaufarbeitung, Krankheit und Verlust: Gebrochen, gescheitert und gezeichnet


Krisen sind oft wie Stürme, die über uns hinwegfegen und uns mit gebrochenen Träumen, gescheiterten Plänen und tiefen seelischen Narben zurücklassen. Sie hinterlassen uns physisch und psychisch gezeichnet, und die aufgerissenen Wunden, die sie hinterlassen, können noch lange nach dem eigentlichen Ereignis schmerzen.

 

Viele Erfolgsgeschichten erzählen von Erleuchtung, von bahnbrechenden Ideen, die die Menschheit verändern werden. Es werden Bücher geschrieben und von denjenigen berichtet, die durch diese tiefgreifenden Ereignisse gestärkt wurden. Dies mag sicherlich in vielen Fällen zutreffen, und ich bewundere solche Geschichten und die Persönlichkeiten, die sie erlebt haben. Doch ist es wirklich immer so?

  

Es ist schwer, die Worte zu finden, um das Gefühl der Leere und Verzweiflung zu beschreiben, das nach einer Krise, nach der Auseinandersetzung mit Traumata oder nach Krankheit bleibt. Man fühlt sich verloren, überwältigt von Emotionen und unfähig, einen Ausweg aus dem Dunkel zu finden. Die Welt um einen herum scheint stillzustehen, während man selbst in einem Strudel aus Schmerz und Trauer gefangen ist.

  

Gebrochen zu sein bedeutet nicht nur, dass man physische oder emotionale Verletzungen erleidet, sondern auch, dass man sich innerlich zerrissen fühlt, als wäre ein Teil von einem weggerissen worden. Man kämpft mit Selbstzweifeln, Schuldgefühlen und der Angst vor der Zukunft. Man fragt sich, ob man jemals wieder ganz werden kann, man fragt sich auch, ob man überhaupt jemals ganz war, ob man jemals wieder lachen oder glücklich sein wird.

 

Gescheitert zu sein ist eine harte Realität, mit der man sich auseinandersetzen muss. Man stellt sich Fragen nach dem Sinn des Ganzen, nach dem Wert seiner eigenen Existenz. Man kämpft mit dem Gefühl des Versagens und der Unzulänglichkeit, und es ist schwer, sich selbst zu vergeben und weiterzugehen.

  

Physisch gezeichnet zu sein, wenn der Körper schmerzt und die Müdigkeit bis in die Knochen zu spüren ist, während Krankheiten durch die emotionale Belastung nicht mehr vollständig in Schach gehalten werden können, ist eine schmerzhafte Realität. Es ist ein Moment, in dem erneut Träume und Wünsche zerplatzen, während einem bewusst wird, dass die notwendige Energie und körperliche Kraft einfach nicht mehr ausreichen.

  

Es gibt Zeiten, da reicht die Energie gerade mal für einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft, mehr ist nicht drin. Die Dusche wird kaum benutzt, die Zahnbürste liegt dort, wo sie schon immer lag, unbenutzt. Die Haare sind zerzaust, die Augen verquollen von nächtlichen Heulattacken. Gegessen wird das, was gerade vorhanden ist, und die Haut spiegelt wider, wie es um die innere Verfassung steht. Die Wäscheberge häufen sich, das Chaos in der Wohnung oder im Haus nimmt überhand. Niemand würde vermuten, dass dort ein Mensch wohnt.

  

Es ist ein trauriges Bild, das sich bietet - ein Bild von Zerfall und Verzweiflung. Doch hinter dieser Fassade verbirgt sich ein Mensch, der tagtäglich gegen die Dämonen der Trauer, des Schmerzes und der Verzweiflung kämpft. Ein Mensch, der oft übersehen wird, dessen Leid jedoch genauso real ist wie das von jedem anderen. Und während die Welt draussen weiterdreht, kämpft dieser Mensch einen stillen, einsamen Kampf, in der Hoffnung, eines Tages wieder das Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

 

Psychisch gezeichnet zu sein bedeutet, dass man nicht nur äusserlich, sondern auch innerlich verletzt ist. Die Narben, die eine Krise hinterlässt, sind nicht immer sichtbar, aber sie sind da, tief in unserem Inneren eingegraben und Teil unserer Geschichte.

 

Auch nach schmerzhaften Ereignissen, aus denen man viele Erkenntnisse gewonnen und Neues gelernt hat, ist nicht immer alles sofort leichter. Im Gegenteil, oft fühlt es sich noch schwerer an, da die notwendige Energie fehlt, um die neu erworbenen Verhaltensweisen überhaupt anzuwenden.

 

Es bedeutet immer Veränderung, und Veränderung impliziert einen Verlust des Vertrauten, das uns Sicherheit vermittelt. Dieser Verlust erstreckt sich sowohl auf unser Inneres als auch auf unser Äusseres. Es ist eine Achterbahn der Emotionen, die uns herausfordert, denn nicht selten bröckelt der Glitzer von den Fassaden, die einst so strahlend schienen. Der Glitzer symbolisiert die Illusion von Perfektion und Stabilität, die wir uns selbst aufgebaut haben, und dessen Abfallen die Realität der Veränderung und die Notwendigkeit des Loslassens deutlich macht.

 

Wir müssen dringend aufhören, Krisen, tiefgreifende Veränderungen und die Bewältigung von Traumata zu verherrlichen oder zu beschönigen. Es ist harte Arbeit, sich mit seinen Gedankenmustern, eigenen Gefühlen und Verhaltensweisen auseinanderzusetzen, die so schädigend unser Leben bestimmt haben und es in manchen Situationen immer noch tun. Denn diese einst schützenden Muster hatten einen wichtigen Zweck: Sie halfen uns zu überleben. Und jetzt sollen wir auf einmal lernen zu leben? Das ist keine einfache Aufgabe, denn wir sind Menschen.

 

Wir müssen uns dringend fragen, ob wir bereit sind, uns in die Arme der Krise, der Traumata oder der Krankheit zu werfen, selbst wenn wir noch nicht wissen, wie alles ausgehen wird. Sind wir bereit, den Mut aufzubringen, uns dem Unbekannten zu stellen, um uns selbst zu retten? Oder sind wir weiterhin bereit, den hohen Preis eines falschen Lebens zu zahlen?

 

Ein falsches Leben bedeutet, bei einem Partner zu bleiben, der uns nicht guttut, auch wenn er vielleicht nicht gewalttätig ist. Es bedeutet, in einem beruflichen Umfeld zu verharren, das uns innerlich zerstört und uns jeden Tag ein Stückchen unserer Seele raubt. Es bedeutet, bei Menschen zu bleiben, bei denen wir schon so lange eine Rolle gespielt haben, dass wir uns selbst dabei verloren haben - und dennoch versuchen sie, uns auf den alten Pfad zurückzuführen, weil sie sich an unser altes Verhalten gewöhnt haben.

 

Aber was wäre, wenn wir uns stattdessen entscheiden würden, den Mut aufzubringen, uns selbst zu retten? Was wäre, wenn wir uns entschließen würden, die Ketten der Vergangenheit zu sprengen und uns auf den Weg der Selbstfindung und Selbstheilung zu begeben? Es wäre ein steiniger Weg, zweifellos, aber auch ein Weg voller Hoffnung, Selbstachtung und innerem Frieden.

 

Es erfordert Mut, sich den Schatten der Vergangenheit zu stellen, und es kann schmerzhaft sein, alte Wunden zu öffnen. Doch nur indem wir uns diesen Herausforderungen stellen und uns selbst ehrlich gegenüber sind, können wir wahre Heilung und persönliches Wachstum erfahren. Das ist die andere Wahrheit über Krisen, Traumata, Krankheit und Verlust. Es ist ein kontinuierlicher Prozess der Selbstreflexion und Selbstakzeptanz, der uns dabei hilft, innere Zufriedenheit zu finden.


Ja, es mag hart sein, aber es ist auch ein Akt der Selbstliebe und Selbstachtung. Denn indem wir uns selbst die Erlaubnis geben, verletzlich zu sein und uns mit unseren innersten Ängsten und Schwächen auseinanderzusetzen, zeigen wir uns selbst die grösste Form der Fürsorge. Und am Ende dieses steinigen Weges werden wir womöglich sagen können, dass wir Kampfnarben davon getragen haben, unser Konto leer war, wir unser Auto verkauft und unsere Wohnung: Haus aufgegeben haben, wir viele Menschen ziehen lassen mussten, um uns zu finden - aber dennoch leben wir!

 

Denn inmitten der Trümmer unseres alten Selbst finden wir eine neue Kraft, eine tiefe innere Stärke, die es uns erlaubt, über unsere Grenzen hinauszuwachsen und uns in einem neuen Licht zu sehen. Wir sind zwar immer noch dieselben Menschen wie zuvor, aber unser Blick auf das Leben, die Menschen und die Herausforderungen, denen wir begegnet sind, hat sich verwandelt.


Und während wir zurückblicken auf den steinigen Weg, den wir gegangen sind, erkennen wir, dass jede Träne, jeder Schmerz und jede Entbehrung einen Sinn hatte. Sie haben uns geformt, geheilt und gelehrt, was es wirklich bedeutet, lebendig zu sein. Denn das Leben ist nicht nur die Summe unserer Erfolge und Misserfolge, sondern vor allem die Geschichte unserer inneren und äusseren Kämpfe, unserer Überwindungen und unserer unerschütterlichen Entschlossenheit, trotz allem zu atmen und weiterzugehen.

 

Am Ende ist es nicht wichtig, wie oft wir fallen, sondern wie oft wir aufstehen und weitergehen, getrieben von der inneren unerschütterlichen Gewissheit, dass wir am Ende des Tages leben - und das mit jeder Faser unseres Seins.

 

Béatrice, die moderne Einsiedlerin


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