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  • AutorenbildSchafer Beatrice

Leben mit Persönlichkeitsstörung(en) - Stille brechen: Die transformative Kraft der Selbstannahme


Nun, für mich stellt sich nicht mehr die Frage, ob wir über psychische Gesundheit sprechen dürfen, sondern wie wir diese Diskussion vorantreiben können. Es ist an der Zeit, das Stigma zu durchbrechen und offen über unsere inneren Kämpfe zu sprechen. Denn nur durch Offenheit und Verständnis können wir die nötige Unterstützung und Behandlung erhalten, die wir brauchen, um ein gesundes und erfülltes Leben zu führen.


Ich habe viel zu lange geschwiegen, aber nun habe ich den Entschluss gefasst, das zu ändern. Seit ich denken kann, begleiten mich verschiedene psychische Störungen meiner Persönlichkeit. Eine folgte auf die andere, und jede schien der vorherigen den roten Teppich auszulegen. Doch was sind Persönlichkeitsstörungen überhaupt?


Persönlichkeitsstörungen sind tief verwurzelte Muster von Verhalten, Denken und Emotionen, die von der Norm abweichen und zu Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder persönlichen Bereichen führen können. Sie manifestieren sich oft in der Kindheit, Adoleszenz oder im frühen Erwachsenenalter und können dazu führen, dass Betroffene Schwierigkeiten haben, sich selbst und andere angemessen wahrzunehmen, Beziehungen aufrechtzuerhalten und mit Stress umzugehen.


Für viele Betroffene ist diese Ausgangslage keine einfache Situation, denn die Außenwelt stellt zahlreiche Herausforderungen dar, die sie immer wieder an den Klippen des Lebens scheitern lassen. Warum? Gerade Beziehungen und beruflicher Erfolg werden oft durch sichtbare, messbare und/oder greifbare Maßstäbe definiert. Menschen mit schwierigen Lebensgeschichten und wenig Unterstützung können ihren Erfolg selten sofort als solchen erkennen. Ihr Triumph liegt oft im Stillen - so war es und ist es bei mir.


In meiner Biografie gab es stets negativ prägende Ereignisse, die ich aufgrund meiner damals unzureichenden Bewältigungsmechanismen nicht angemessen lösen konnte. Jede Störung brachte ihre eigenen Herausforderungen mit sich, die ich erst in den letzten Jahren als Lernaufgabe betrachte. Jede von ihnen manifestiert sich auf ihre eigene Art und erfordert einen individuellen Umgang. Als sie sich gegenseitig bekämpften und regelrechte Kriege führten, musste ich selbst zur Mediatorin meiner zunächst ungeliebten Gäste werden. (Diese Idee kam ausgerechnet aus der Ecke der Borderline-Störung - sie ist und bleibt halt die kreative Seele.)


Das Wichtigste dabei war, sie alle anzunehmen. Nicht einfach zu akzeptieren, denn das wäre zu oberflächlich und bedeutungslos. Wir neigen dazu, in der Akzeptanz zu resignieren, während die Annahme einen aktiven Prozess darstellt, der Selbstreflexion und Wachstum erfordert. In der Akzeptanz akzeptieren wir lediglich die Gegebenheiten, ohne sie zu hinterfragen oder zu verändern. Dies kann zu einem Gefühl der Passivität und Resignation führen, da wir uns damit abfinden, dass Dinge so sind, wie sie sind. Die Annahme hingegen beinhaltet eine bewusste Entscheidung, die Realität anzuerkennen und sie als Ausgangspunkt für Veränderung zu nutzen. Sie erfordert Mut und die Bereitschaft, sich den Herausforderungen zu stellen und aus ihnen zu lernen, anstatt sich ihnen einfach zu ergeben.


Daher ging es, und dies auch noch heute, sie wirklich zu umarmen, mit all ihren Facetten und Nuancen. - (Der Teil von mir, der von der vermeidend-selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung geprägt ist, fand das überhaupt nicht lustig. Aufgrund seiner Neigung, sich als minderwertig im Vergleich zu anderen zu betrachten, hatte er Angst davor, dass diese Umarmung letztendlich dazu führen würde, dass er sich noch schlechter fühlen würde, weil sie diese Überzeugung bestätigen könnte. Doch ich erkannte, dass es genau dieser Teil war, der am meisten Liebe und Akzeptanz benötigte. Es war ein langer Weg, ihn zu überzeugen, dass die Umarmung nicht als Bestätigung seiner negativen Gedanken diente, sondern als Schritt auf dem Weg zur Selbstliebe und Selbstakzeptanz. Und langsam begann auch dieser Teil von mir zu verstehen, dass er es wert war, geliebt zu werden.)


Ich begann jede von ihnen mit ihren Namen anzusprechen - denn benennen ist und bleibt das Werkzeug, das uns die Macht gibt, unsere Dämonen zu zähmen und unsere Ängste zu verstehen. Jede Störung erhielt sogar ihre eigene Identität, und auf diese Weise konnte ich beginnen, sie zu entwirren und zu entmystifizieren. Es war ein wichtiger Schritt auf meinem Weg zur Heilung, der Weg, der mich letztendlich zu mir selbst führen würde.


Sich gegen widrige Umstände und Krankheiten, einschließlich psychischer Erkrankungen, zu wehren und zu kämpfen, scheint von Anfang an ein aussichtsloser Kampf zu sein. Es geht nicht darum, diese Herausforderungen zu leugnen oder zu verdrängen, sondern darum, ihnen mutig zu begegnen und sie als Teil unseres Weges anzunehmen und zu lieben. Dann sind wir in der Lage, auch schädliche Verhaltensweisen, die uns nicht gut tun, schrittweise aufzugeben und loszulassen, um sie durch gesündere Strategien zu ersetzen.


Heute kann ich weder mit Reichtum prahlen, noch habe ich ein millionenschweres Unternehmen an die Wand gefahren und stehe auf der Bühne, um anderen zu zeigen, wie sie solche Fehler vermeiden können. Mein Lebensweg war kein spektakuläres Auf und Ab, sondern vielmehr ein beharrlicher Kampf ums Überleben - ein täglicher Akt des Atmens und Lebendigseins. In dieser scheinbar unspektakulären Beständigkeit liegt mein eigentlicher Triumph. Denn trotz der Stürme und Hindernisse, die mir das Leben entgegengeworfen hat, stehe ich noch hier. Mein Erfolg liegt nicht in materiellem Reichtum oder äußerlicher Anerkennung, sondern in meiner Fähigkeit, mich selbst zu erheben, jeden Tag neu zu beginnen und unbeirrt meinen Weg zu gehen. Ich atme - ich lebe!


Welche Ereignisse kannst du als persönliche Erfolge für dich verbuchen und wie haben sie dazu beigetragen, deine Entwicklung und dein Selbstverständnis zu formen? Wie feierst du diese persönlichen Erfolge und wie kannst du sie würdigen, um deine Motivation und Selbstachtung zu stärken?





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